Freitag, 27. Juli 2012

Comic-Crowdsourcing, mit Tipps vom aktuellen deutschen Don Rosa Projekt

Laut einer aktuellen Erhebung von Publishers Weekly ist Kickstarter in den USA momentan auf Platz 4 wenn es darum geht, Comics und Graphic Novels zu veröffentlichen: Kickstarter becomes fourth biggest publisher of graphic novels.

Der Sprung nach oben in der Liste kommt vor allem durch das Projekt The Order of the Stick, das über Kickstarter weit über die ursprünglich geplante Summe unterstützt wurde: als Fundingsumme standen $57.750 im Raum, eingegangen sind Funds (die zumeist mit einer direkten Gegenleistung verbunden sind) in einer Summe von über 1 Million Dollar.



Order of the Stick ist sicher vom finanziellen Rahmen her die Ausnahme, dennoch ist die Zahl von 115 erfolgreich gefundeten Comicprojekten im Zeitraum von Februar bis April 2012 beachtlich, und einzelne, besonders erfolgreiche Projekte helfen sicher dabei, Crowdsourcing insgesamt bekannter zu machen und wecken auch Interesse für weitere Projekte.

Comic-Crowdsourcing in Deutschland
Kickstarter ist bisher nur in den USA aktiv, ein UK-Ableger ist geplant. Aber auch in Deutschland gibt es Comicprojekte, die mit Hilfe von Crowdsourcing möglich werden. Ein aktuelles Beispiel ist das "Don Rosa"-Comicprojekt, das zur Zeit auf Indiegogo läuft. Organisiert wird es von Jano Rohleder, der jetzt einen Erfahrungsbericht mit Tipps zusammengestellt hat:

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Erfahrungen und Tipps:  Don Rosa Crowdsourcing 

Alles begann völlig unerwartet: Nach Überlegungen, für Don Rosas Signiertour im Herbst einen limitierten Druck mit einem Pin-up seiner eigenen Figuren aus den „Pertwillaby Papers“, dem Comicstrip, den er im College begonnen und später in Fanzines fortgesetzt hatte, zu produzieren, kam mir spontan die Idee, dass für die Fans auch eine Sammlerausgabe genau dieser Comics interessant sein könnte. Bereits seit einigen Jahre hatte es immer mal wieder Anfragen diesbezüglich bei mir gegeben, doch bislang war nie etwas daraus geworden. Nun stand die Zeit günstig wie nie – da ich im letzten Jahr eine DVD mit Scans aller Strips von einem Kollegen aus Dänemark bekommen hatte, wäre nun im Rahmen von Dons Signiertour die ideale Gelegenheit, diese zu veröffentlichen. Also, auf in die Planungen!

Hier ergab sich jedoch schon das erste Problem … denn wenn sowohl „The Pertwillaby Papers“ als auch die Nachfolgereihe „Captain Kentucky“ als Neuausgabe veröffentlicht werden sollten, würde das bereits bei der ursprünglich angedachten Kleinauflage von 350 Exemplaren Kosten von rund 8.000 EUR bedeuten. Wie also finanzieren? Klar: Crowdfunding! Wenn bei Kickstarter eine Million Dollar für einen Strichmännchenstrip zusammenkommen, wird sich doch sicherlich auch ein bisschen was für die Vor-Disney-Comics des beliebtesten Duck-Zeichners der letzten Jahre machen lassen. Da Kickstarter Benutzern in Deutschland allerdings nicht zur Verfügung steht, entschied ich mich für die Plattform Indiegogo, die nach dem gleichen Prinzip funktioniert, aber Usern aus aller Welt offensteht.

Unter http://www.indiegogo.com/donrosa war schnell eine Projektseite eingerichtet – und schon konnte die Sache losgehen. Dann ging es daran, ein paar Infos in den einschlägigen Disney-Comicforen und auf Don-Rosa-Seiten zu posten … und danach hieß es abwarten.




Als Ziel hatte ich 10.000 Dollar angesetzt, was in etwa den angepeilten Kosten der 350er-Auflage entsprach. Zur gleichen Zeit wurde auch klar, dass es definitiv eine englische Ausgabe sein würde, da sich Indiegogo als internationale Plattform gezielt an internationale Fans richtet, und es bereits abzusehen war, dass der Betrag nur mithilfe von ihnen zusammenkommen würde.

45 Tage sollte die Aktion laufen – bis zum ersten August – und schon nach den ersten paar Tagen zeichnete sich ab, dass sie erfolgreich ausgehen könnte. Es trafen zahlreiche Vorbestellungen nicht nur aus Deutschland ein, sondern auch aus ganz Europa und den USA.

Schließlich wurden die 10.000 Dollar bereits nach drei Wochen, am 9. Juli, erreicht und mittlerweile ist sogar so viel zusammengekommen, dass eine reguläre Buchhandelsausgabe von 1000 Exemplaren gesichert ist. Trotzdem freue ich mich über alle weiteren Vorbestellungen, da diese dazu beitragen, dass der Seitenumfang erweitert und ggf. sogar das Format, das derzeit als A4 geplant ist, vergrößert werden kann.

Dass so eine spontane Idee auch spontane Folgen mit sich bringt, musste ich aber auch ziemlich schnell feststellen, denn in Deutschland geht natürlich nichts ohne amtliche Genehmigungen und so habe ich parallel zur Indiegogo-Kampagne schon mal ein Gewerbe als Verlag angemeldet, damit die Bücher dann auch pünktlich zu Dons Signiertour im Oktober erscheinen können. Vielleicht gibt es später sogar irgendwann noch weitere Projekte, genug ISBN-Nummern für 100 Bücher habe ich jetzt jedenfalls erst mal. ;)

Zudem sollte man seine Kostenkalkulation nicht zu knapp anstellen. Eine eigentlich ganz nette Idee wie „weltweiter Gratisversand“ kann schnell tückisch werden, wenn man nicht bedacht hat, dass 10.000 Dollar Kampagnenziel nicht gleich 10.000 ausbezahlten Dollar entsprechen. Indiegogo erhält von jeder „Spende“ einen gewissen Prozentsatz und auch für PayPal werden Gebühren fällig, wenn man diese Zahlungsmethode zusätzlich anbietet. Dieser Prozentsatz entspricht in einem solchen Fall schnell mal dem dringend nötigen Versandbudget, da die Bücher nicht wirklich leicht sind und die Deutsche Post ziemlich gesalzene Preise für Auslands-Paketversand hat. Momentan gehe ich aber davon aus, dass der Versand durch die hoffentlich weiterhin eintrudelnden Vorbestellungen und spätestens die Verkäufe bei der Tour so ziemlich gedeckt sein dürfte.

Da das Ganze ursprünglich sowieso als Fanprojekt ohne große Gewinnabsicht gedacht war, ist der sich daraus nun ergebene erst mal nicht so wirklich riesige Profit für mich nicht weiter tragisch. Verlage, die auf Gewinn angewiesen sind, sollten aber bei Crowdfunding-Projekten – selbst wenn sie ganz spontan entstehen – gleich zu Beginn eine detaillierte Kostenkalkulation aufstellen, die nicht nur sämtliche Gebühren beinhaltet, sondern auch Kosten für Versand … und zwar gezielt unter Berücksichtigung aller Länder, aus denen potenziell Kunden kommen. Falls ich mal wieder eine solche Aktion ins Leben rufen sollte, werde ich die Preise auch gleich zu Beginn ca. zehn Dollar höher ansetzen, wenn damit zu rechnen ist, das größtenteils Auslandsversand anfallen wird.

Nun warte ich aber erst mal gespannt das Ende der Aktion am ersten August ab und freue mich schon, wenn ich – und vor allem die Rosa-Fans – die Bücher ab Oktober in Händen halten können!


Mehr zum Projekt: 
Eine Leseprobe des Buches ist auf myComics online: Don Rosa Classics: The Complete Pertwillaby Papers

Jano Rohleder arbeitet als freier Redakteur und Übersetzer für die Egmont-Verlage, wo er unter anderem die Buchhandelsausgaben der Disney-Comics von Don Rosa betreut. In Zusammenarbeit mit Don entsteht derzeit als Independentprojekt unter seiner Leitung eine englischsprachige Sammlerausgabe von dessen Vor-Disney-Comics. Vorbestellungen werden noch bis zum 01.08. über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo unter http://www.indiegogo.com/donrosa angenommen.

Weitere Links: Über den Stand der Dinge halten nach Kampagnenende Janos Don-Rosa-Newsblog http://blog.duckmania.de und seine private Website http://www.jano-rohleder.net auf dem Laufenden.

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