Donnerstag, 29. Dezember 2011

Interview mit Tristan Wilder ("XX77")

Am 1. Oktober diesen Jahres fand der 24-Stunden -Comictag statt. Die Teilnehmer haben wir aufgerufen ihre 24-Stunden Comics bei mycomics.de hochzuladen. 12 davon kamen in den ersten 24-Stunden Wettbewerb, bei dem Tristan Wilder mit seinem Sci-Fi-Comic "XX77" punktgenau auf Platz #3 landete.

Wir haben ihn zu seinem Comic, dem 24 Stunden Tag, und zur eigenen Comic-"Geschichte" befragt. (Die Bilder im Interview kann man übrigens anklicken, dann erscheinen sie in einer größeren Version.)

Woher kam die Idee zu deinem 24-Stunden-Comic?
Es war eine Fusion meiner Leidenschaft zum Science-Fiction und dem Rock 'n' Roll. Die Idee selbst kam vor einem halben Jahr, als ich im Internet über die Tracklist der goldenen Schallplatte der Weltraumsonde „Voyager I“ stolperte und den Song „Johnny B. Goode“ von Chuck Berry darauf fand.

Meine Fantasie wurde sofort beflügelt und kam auf die Theorie, was wäre wenn die Voyager I auf einen fremden Planeten abstürzen und primitives Leben diese Informationen aus Bild und Ton finden würde. Denn diese Sonde beinhaltete auch Fotos von der Erde, dem Menschen, diverse mathematische Formeln und eine weiter Platte aus Gold, auf der ein Mann und eine Frau erneut zu sehen sind. So dachte ich, wäre es nicht verrückt, wenn sich dort eine Art von Kultur auf Basis dieser Information aufbauen würde?

Wegen anderer Projekte habe ich die Geschichte nie auf das Papier gebracht und so ging die Idee zurück in die hinterste Schublade meines Kopfes, bis zum 24 Stunden Comic Tag - und endlich konnte ich der Idee eine Form geben.

Der Twist am Ende, dass der Roboter sich dazu entscheidet eine Frau zu werden, kam beim Layout des Comics vor Ort - ein spontaner Zusatz, der die alte Story entstaubte und gleich viel witziger machte. So ging ich mit neuer Begeisterung an die Seiten und freue mich, dass es den Lesern gefällt.

Was sind deine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke vom 24-Stunden-Comictag? Hast du zuvor schon einmal teilgenommen?
Oft haben Zeichnerkollegen aus Übersee darüber geschrieben, aber selbst habe ich nie daran teilgenommen. Bis jetzt. Denn für so etwas finde ich es schon wichtig, wenn man mit einer kleinen Gruppe an so ein Projekt heran geht. Man kommt schneller auf Ideen und der Austausch lässt einen besser arbeiten. Zudem fördert es den Ehrgeiz sich den 24 Stunden zu stellen. Allein zu Hause wäre ich bestimmt irgendwann eingeschlafen. Sicher, einige können besser alleine arbeiten … aber dafür bin ich viel zu gesellig, dass ich mir das nehmen lassen würde. Ich meine, wann sitzt man mal 24 Stunden mit Gleichgesinnten an Comics?! Zudem hatte ich in Köln tolle Mitstreiter, mit denen ich das Erlebnis teilen durfte.

Als Neuling des 24 Stunden Comics musste auch ich meine Erfahrungen machen. Denn es ist einem Ausdauerrennen nicht unähnlich. Nach einigen Stunden bekommt man fast schon einen Tunnelblick und ist nur noch auf die Seiten konzentriert. Man vergisst oft mal Pausen einzulegen, weil man gegen die Zeit arbeitet und dazu tendiert ungesunde Nahrung zu konsumieren.
Ich wurde eine Stunde vor Abgabe fertig und durch die dauerhafte Konzentration versteifte sich der Nacken. Der Kreislauf war im Keller. Man wollte nur noch schlafen und die ungesunde Nahrung spielte Achterbahn. Körper und Geist hatten ihr Limit vor Stunden überschritten.

Würde ich es noch mal machen? … JA!



Wann hast du mit dem Comicschreiben und Zeichnen angefangen, und wie kamst du dazu?
Ich zeichne seit ich einen Stift halten kann, aber meist bestanden diese Zeichnungen aus Dinosauriern, Transformern und einer Vorliebe für alte Autos. Ausschlag gebend für mich war aber ein Kinobesuch des ersten WERNER Films mit meinem Vater. Ich war völlig begeistert von dieser verrückten Figur, die nicht wie Mickey Maus oder Garfield war. Aber was den Schalter in mir umlegte, war die Szene wo Brösel als Comiczeichner zwischen seinen Oldtimern und Motorrädern hockte. Ab dem Punkt war mir klar, was ich werden wollte. Genau so! Ein Comiczeichner!

Noch am selben Abend zeichnete ich meine erste Figur, die dann schnell Zuwachs bekam. Über die Jahre haben sich Figuren, Stile und Inhalte immer wieder geändert und ich denke jetzt ist es eine Fusion aus allem was ich mir selbst beigebracht habe und was mich begeistert. So fällt es mir auch schwer zu sagen, welchen Stil ich zeichne. Die Frage wird oft gestellt und da Musik bei mir eine treibenden Inspirationsquelle ist, antworte ich: „Ich zeichne Rock 'n' Roll.“

Das erste Comicheft, das du dir selbst gekauft hast, war:
Das muss Garfield gewesen sein und zwar das Heft, das damals jeden Monat erschien. Damit meine ich nicht die querformartigen Bücher ohne Farbe. Wovon ich aber schon ein paar hatte.

Woran arbeitest du gerade?
Unterschiedlich: Auftrags-Comics, Illustrationen für Bands, Kurzfilme, Trickfilme, und Storyboards. Im Moment habe ich das Comic „Surf Zombies“ für eine Surfschule fertig gezeichnet, das bald erscheinen wird und dazu noch kostenlos ist! Des Weiteren zeichne ich kurze Comics für das Comicmagazin „Senfgurke“ und diverse andere kurze Comics für Comicmagazine aus Spanien, Russland und den USA.

Was mich persönlich zur Zeit sehr beschäftigt, ist meine eigenes Comic namens

„PARANOID ROCK 'N' ROLL“

Eine Geschichte, die schon seit längerer Zeit in Arbeit ist. Es gab bereits eine kleine Auflage des ersten Heftes, welches leider schon vergriffen ist. Ich plane das Comic online neu zu starten und das erste Heft wieder aufzulegen. Die Frage um was es darin geht könnte man so vergleichen, wenn Star Wars und American Graffiti ein Comic wären … oder anders, Grease gepaart mit altem B-Movie Sci-Fi Trash. Wobei es hier mehr Musik gibt als Tanz.

Eher noch geht es um einen Typen mit Tolle namens ACE, der auf der Suche nach einer alten Vinyl Single ist. Dabei wird er von seinem Kumpel YURI begleitet, der immer einen Kosmomauten-Helm trägt und beide treffen auf BEVERLY, die Kellnerin die nebenberuflich UFO-Hunter ist. Des Weiteren geht es um noch mehr Rock 'n' Roll, Hot Rods, Romanzen, Andy Warhol, der uns Zeitreisen in andere Dimensionen erklärt und vieles, vieles mehr. Einen ganz guten Eindruck geben diese beiden Seiten, sie waren für ein Magazin geplant, wurden aber vor Fertigstellung fallen gelassen, und die Geschichte hat sich seither teils geändert. Daher sind die Seiten nun getuscht aber ohne Text, ich habe sie so gelassen, da sie schon ohne Erklärung eine eigene Geschichte erzählen: PARANOID ROCK N ROLL - PARADOX.

Wenn du dich für eine Woche in eine Comicfigur verwandeln könntest, wer würdest du dann sein?
Da unsere eigenen Figuren manchmal so etwas wie Alteregos sind, wäre ich gerne meine eigene Figur ACE, damit ich auch mal live durch meine erfundene Welt wandern kann und diese nicht nur auf Papier sehe.

Was sind Deine aktuellen Favoriten auf myComics?
Ich bin noch sehr neu bei myComics und beziehe mich mal auf die Comics aus dem 24 Stunden Comicwettbewerb. Das wären Dagma, Millus und Claus Daniel Herrmann, dessen Comic ich doch auf eines der ersten drei Plätze gewünscht hätte. Zwar ist die Geschichte etwas unklar, aber der künstlerische Stil ist fantastisch.

Danke für das Interview!

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Weitere Links + Interviews:

Tristan Wilder auf myComics: XX77, Rock n Roll Paradox und auf seiner Seite: ataripunk633.deviantart.

24-Stunden-Comics: Mehr 24h-Comics und Berichte vom 24h-Tag

Weitere Interviews mit myComics-Wettbewerb Gewinnern gibt es hier: myComic-Interviews

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