Mittwoch, 4. Oktober 2017

"Bataclan – wie ich überlebte": Info + Leseprobe


Bataclan – Wie ich überlebte: Der Augenzeugenbericht von Fred Dewilde, der das Attentat auf den Pariser Musik-Club überlebte, in einer beklemmend intensiven Comic-Dokumentation Fred Dewilde, geboren 1966, ist als Grafiker auf medizinische Illustrationen spezialisiert. Er lebt mit seiner Familie in einem Vorort von Paris und liebt Rockmusik. Als Fan der US-Band Eagles of Death Metal war er an jenem verhängnisvollen Abend des 13. Novembers 2015 im Pariser Kult-Club Bataclan, als Terroristen dort ein grauenvolles Blutbad anrichteten. Nach offiziellen Angaben starben 89 Besucher des Konzerts, Hunderte Menschen wurden teilweise schwer verletzt.

Fred Dewilde überlebte das Attentat mit viel Glück körperlich nahezu unversehrt, aber schwerst traumatisiert. Nun hat er, als Teil der Aufarbeitung des Erlebten, seine Erinnerung an die Geschehnisse in einem beeindruckenden und beklemmenden Comic zu Papier gebracht.


„Mitten im Blut eines Toten habe ich gelegen. Mitten unter den zerfetzten Körpern war ich geschützt. Mitten unter den zerstörten Leben habe ich gedacht, dass ich mitten im Entsetzen und im Wahnsinn noch einmal die Chance bekommen habe, euch zu lieben.“ 

Mit diesen Worten beschreibt Fred Dewilde auf dem Umschlag des Bandes seine Gefühle, als er zwischen Leichen liegend darauf hoffte, seine Familie noch einmal wiedersehen zu können. In seinem Comic werden diese Gedanken zu düsteren Bildern. Durch das Zeichnen versuchte er, sie aus seinem Kopf auf das Papier zu verbannen. Für die Leser schuf Fred Dewilde einen gezeichneten Augenzeugenbericht, der – durchweg in Schwarz-Weiß gehalten – den gesamten Schrecken eindringlich wiedergibt, ohne dabei explizit zu werden. Die Terroristen stellt er als entmenschlichte Gestalten mit Totenschädeln dar; die Toten, inmitten derer er lag, als formlose Masse. Letztlich war es aber reiner Zufall, dass er nicht auch erschossen wurde.

Bataclan Leseprobe

Die Frage nach dem Wieso und warum ausgerechnet er überlebt hat, macht ihm bis heute zu schaffen. Im Anhang des Bandes betrachtet Fred Dewilde in einer Reihe von Texten Punkte, die im Comic selbst keinen Platz hatten. Er beschreibt dort zum Beispiel, wie sich sein Leben und er selbst nach Bataclan verändert haben, wie er überhaupt wieder ins Leben zurückfand. Er sinniert über Psychotherapie, Schuldgefühle, das Menschsein und den Wert von schwarzem Humor. Auch die Anschläge von Brüssel, Nizza und auf die Redaktion von Charlie Hebdo bleiben nicht unerwähnt. Bataclan – Wie ich überlebte ist ein beeindruckendes, sehr eindringliches und in Teilen schockierendes Zeitdokument.

Alles andere als leichte Kost, aber ein Band, den man - auch mit Blick auf aktuelle Geschehnisse - unbedingt gelesen haben sollte.

Bei myComics ist eine Leseprobe dazu online: Bataclan Leseprobe

Eine aktuelle Rezension der Graphic Novel ging bei der Comic-Community online: Bataclan – wie ich überlebte, dort werden auch die Vorteile der Kombination von Zeichnungen und Texten, und der autobiographischen Erzählweise hervorgehoben:

"Gerade autobiographische Zeichnungen sind oft wesentlich aussagekräftiger als Filme oder Bücher, da sie die Gefühlswelt des Erzählers stark darstellen, so auch bei Fred Dewilde... Der Band beinhaltet 15 Comicseiten, der Rest ist mit Texten mit kleinen Skizzen versehen, die die Zeit nach dem Anschlag beschreiben. Von der Schwierigkeit des „normalen“ Lebens mit Alltag und Familie in der Stadt, in der er fast ermordet wurde berichtet Dewilde, was sicher einiges von Selbsttherapie hat. Der Band ist ein einzigartiger Einblick in solch eine unmenschliche Situation und deren Folgen." 





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