Donnerstag, 3. April 2014

Interview mit Andreas Völlinger und Flavia Scuderi: "Es gibt nichts Gutes.."


Das Verbot "homosexueller Propaganda" in Russland führt weltweit zu Reaktionen…

Mit ihrem Comic "Es gibt nichts Gutes" gehen Andreas Völliger und Flavia Scuderi eindrucksvoll auf die schwierige Situation von LSBTI (Lesbe, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle) in Russland ein und wollen diesen Menschen das Gefühl geben, dass sie nicht alleine sind. Diese Meinung teilen auch viele der myComics-Leser und voteten den Beitrag auf Platz 1 im März Wettbewerb.

Wie immer wollten wir mehr zu den Gewinner-Comics wissen, und haben Andreas Völlinger und Flavia Scuderi zu "Es gibt nichts Gutes", ihren eigenen Comic-Geschichte und zu aktuellen Projekten befragt:

Woher kam die Idee zur Story „Es gibt nichts Gutes“?

Ehrlich gesagt, war der Comic ursprünglich für einen Wettbewerb des Goethe-Instituts gedacht, wo er aber letztendlich nicht reinpasste. Umso mehr freuen wir uns, dass er bei den myComics-Lesern so gut ankam! Die deprimierende Lage von LSBTI (Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intersexuelle) in Russland wurde anlässlich der Olympischen Winterspiele ja öfters in den Medien behandelt. Es ist unerträglich, wie diese Gruppe für die Putin-Regierung als Sündenböcke herhalten muss, um von den vielfältigen Problemen des Landes abzulenken.

Als dann weltweit alarmierte Menschen versuchten, die russischen Homosexuellen von außen zu unterstützen, traten natürlich gleich wieder die altbekannten Zyniker und Zweifler auf den Plan: Der Protest bringe doch nichts, die russischen LSBTI müssten sich selbst helfen, in anderen Ländern würden noch schlimmere Zustände herrschen und so weiter… Doch wir sind überzeugt, dass Aktionen, wie wir sie im Comic zeigen, ihren Sinn haben - auch wenn sie oft "nur" Solidarität vermitteln. Menschen ein Gefühl zu geben, dass sie nicht alleine, sondern Teil einer mitfühlenden Gemeinschaft sind, ist doch schon eine ganze Menge.

Wer nach Lektüre des Comics etwas unternehmen will, sollte am besten an eine russische LSBTI-Organisation spenden, wie z.B. Coming Out St. Petersburg. An sie werden wir auch einen Teil unseres Preisgeldes überweisen. Direkt in Deutschland kann man außerdem den Verein Quarteera unterstützen, der russischen LSBTI dabei hilft, als Asylsuchende in Deutschland Fuß zu fassen. Oder man kann an die Aktivistengruppe "Enough is Enough" spenden, die das Geld an russische Organisationen weiterleitet.

Andreas bei der Comicmesse in Berlin

Ihr arbeitet ja auch zusammen an der Serie „Flo & Andy“. War das euer erstes gemeinsames Projekt, bzw. wie kam es zu der Zusammenarbeit zwischen euch? Habt ihr noch weitere gemeinsame Projekte?

Wir haben uns über das Stenarts-Studio von Thorsten Kiecker ("RIA - Die Lichtklan-Chroniken") kennengelernt. "Flo & Andy" war unser erstes gemeinsames Projekt und wir haben uns damit schnell als Team eingespielt. 2013 haben wir außerdem zusammen die Comicbiografie "Wagner - Die Graphic Novel" für den Knesebeck Verlag verfasst. Momentan bereiten wir ein neues Comicprojekt vor, das aber noch in der groben Planung ist.

Comicbiografie "Wagner"

Wann habt ihr mit dem Comiczeichnen angefangen, und wie kamt ihr dazu?

Flavia: Ich wollte schon immer Geschichten mit Zeichnungen erzählen, ich habe als Kind damit begonnen und einfach nicht mehr aufgehört! Aber so richtig mit Comics angefangen habe ich 1997 mit einem selbstverlegten Heft, das von Roberto Recchioni geschrieben und von mir gezeichnet wurde. Der Titel war “Zelda streghetta alla moda” (Kleine Modehexe Zelda) und es war eine Erotik-Comedy. Ich hatte eine Menge Spaß damit.

Andreas: Ich musste in der Schulzeit feststellen, dass ich mich trotz aller Begeisterung für Comics mit dem Zeichnen leider zu schwer tue, um daraus eine Karriere zu machen. Da mir das Comic-Medium aber so am Herzen liegt und ich schon immer gerne geschrieben habe, begann ich in der Unizeit damit, zuerst über Comics zu schreiben und dann schließlich Comics für Zeichner zu texten.

Flavia in ihrem Atelier

Woran arbeitet ihr gerade?

Flavia: Ich bin gerade mit einer Reihe von Illustrationen und Figurenentwürfen für ein Spiel fertig und habe vor Kurzem damit begonnen, für das "Knax"-Magazin zu arbeiten. Außerdem plane ich ein neues Comic-Projekt mit Andreas und kann es kaum erwarten, damit loszulegen!

Figurenentwurf von Flavia für das neue Projekt mit Andreas

Andreas: Ich habe gerade mit meiner "Flo & Andy"-Co-Autorin Susanne ein Script für die Zombieserie "DIE TOTEN" fabriziert, auf dessen Umsetzung wir uns schon sehr freuen. Wir hatten dabei so viel Spaß, dass wir bereits die nächste Geschichte ausbrüten. Außerdem steuere ich zum Kindercomic "Der Schlaufuchs", den David Füleki für die Fuldaer Zeitung zeichnet, immer mal wieder eine Geschichte bei. Und dann wäre da natürlich das nächste Projekt mit Flavia…

Szene aus "Flo & Andy 10 - Rote Karte für Flo"

Das erste Comicheft, das ihr euch selbst gekauft habt, war:

Flavia: Das war eine italienische Ausgabe von "Dylan Dog". Witziger Weise ist Roberto Recchioni, der meinen ersten Comic geschrieben hat, mittlerweile der neue Redakteur von "Dylan Dog"!

Andreas: Es war mit Sicherheit ein Marvel-Comic von Condor! "Die Spinne", "Die Rächer", "Die Gruppe X"… auf die bin ich als Kind total abgefahren.


Was sind eure aktuellen Favoriten auf myComics?

Andreas: "Madduckx" ist wirklich eine geniale Verbindung von Postapokalypse-Pulp und klassischen Disney-Comics, "Vorhängeschloss der Lüste" hat mich echt zum Grinsen gebracht und "Camp Mt. Madness" hat einen vielversprechenden Serienstart. Toll war auch "Hexenblut" von Suskas Lötzerich, aber das wurde wohl offline genommen, da es jetzt als Buch erscheint. Und natürlich mag ich so gut wie alles von meinen alten Kollabo-Kollegen David Füleki und Marvin Clifford.

Flavia: Natürlich "Flo & Andy"!!! ;)

Vielen Dank für das Interview!

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Weitere Links und Interviews:
Andreas bei myComics
Flavia bei myComics

Webseite Andreas
Flavias Portfolio

Weitere Interviews mit myComics-Wettbewerb Gewinnern
+ Link: Wettbewerbsarchiv



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