Dienstag, 25. Februar 2014

Interview mit Nadia Bader "II (two, zwei)"


Nach dem Motto "Bilder sagen mehr als tausend Worte" haben die drei Gewinnercomics eine Gemeinsamkeit. Sie sind alle ohne Text, dennoch von Grund auf verschieden:

Mit "II (two,zwei)" überzeugte Nadia Bader mit einem textlosen Comic bei dem der Leser selbst die Story schreibt. Sie lässt dem Leser die Freiheit ihren Comic selbst zu interpretieren und das mit Erfolg. Nadia Bader landet mit dieser interessanten Idee auf Platz 1 des Januar Wettbewerb.

Wie immer wollten wir mehr zu den Gewinner-Comics wissen, und haben Nadia Bader zu "II (two,zwei)", ihrer eigenen Comic-Geschichte und zu aktuellen Projekten befragt:

Woher kam die Idee zu "II (two,zwei)?

Als mentale Vorbereitung für den 24-Stunden-Comictag habe ich mir überlegt, zu welchem Grobthema ich arbeiten möchte. Die Geschichte sollte ohne Worte funktionieren, also mit Körpersprache/Gestik der Figuren erzählt werden. Die Bilder sollten aus der Vorstellung/Erinnerung gezeichnet sein, also ohne Referenzen, und ich sollte sie auch im Halbschlaf zeichnen können – denn so fühlte ich mich bisher oft beim 24-Stunden-Zeichnen. Als Thema habe ich dann „Beziehung“ gewählt. Am Anlass vor Ort habe ich verschiedene Facetten dazu skizziert, sie in eine Reihenfolge gebracht und die Zeichnungen umgesetzt.

Ausschnitt aus "II (two,zwei)"

„Two“ ist ja bei einem 24-Stunden-Comictag entstanden. Was sind deine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke vom 24-Stunden-Comictag? - Warst du zum ersten Mal dabei, oder hast du vorher schon Mal an einem solchen Tag teilgenommen?

2010 war ich erstmals beim 24-Stunden-Comictag in Winterthur in der Alten Kaserne, dann erneut 2012 und 2013. Besonders schätze ich die Atmosphäre im Raum, wenn 60 begeisterte und engagierte Zeichner/innen und Geschichtenerzähler/innen intensivst arbeiten. Da muss man einfach loslegen! Auch wird man in Winterthur vom Team der Alten Kaserne wunderbar umsorgt und verpflegt – ein echter Luxus und zudem sehr motivierend!

„drawing booklet 22 – part 6“, 8.2.2014, Updates (fast) täglich auf meinem Blog

Welche Tipps würdest du anderen für den 24 Stunden Tag geben?

Nehmt die Herausforderung an, die 24 Seiten tatsächlich umzusetzen, egal wie! Wenn man sich darauf einlässt und stark reduziert – bezogen auf die eigenen Ansprüche, die Bildsprache, etc – dann entdeckt man ganz neue Möglichkeiten beim Gestalten und Erzählen. Ausserdem ist es befriedigender eine kleine, vielleicht mittelmässige Geschichte fertiggezeichnet zu haben als zig Stories bloss zu beginnen und nie zu Ende zu bringen. Da spreche ich aus Erfahrung.

Wann hast du mit dem Comiczeichnen angefangen, und wie kamst du dazu?

Als Kind habe ich erste Bildergeschichten gezeichnet. Dann habe ich über längere Zeit hinweg vor allem Einzelbildillustrationen und andere gestalterisch-künstlerische Projekte realisiert im Rahmen meines Studiums (BA und MA Art Education) – doch eigentlich wollte ich immer Comics zeichnen. Mir ist es zwar leicht gefallen, vom zeichnerisch-technischen her zu guten Resultaten zu gelangen, doch mir fehlten die Geschichten. Viele Ideen kamen mir bereits nach der Umsetzung weniger Seiten plötzlich doch nicht mehr so gut vor. Deshalb habe ich für mich festgestellt, dass ich einen bestimmten, verbindlichen Rahmen brauche, um Projekte gesamthaft umzusetzen. Der 24-Stunden-Comictag, das Comicseminar Erlangen, Semesterprojekte im Studium, Minicomics, Zeichnen für meinen Blog; das sind Formate, die mir auf die Sprünge geholfen haben. Zur Zeit bin ich ausserdem an Projekten dran, wo ich mit einem Autor/einer Autorin zusammenarbeite.

Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Hier ist ein Blick auf meinen Arbeitsplatz:

Das Foto gibt es hier in XXL: "Blick auf meinen Arbeitsplatz"

Und hier ist die Legende dazu:

(1) Desktopcomputer mit grossem Bildschirm, (2) Graphic Tablet, A5, (3) Notizbuch für Alles – mein zweites Hirn, (4) Laptop für Schreibarbeit, (5) Kaffee oder Tee, (6) Frühstück, (7) Vitamine, (8) Aussicht, (9) Lautsprecher, (10) Lager: Postkartensets Adventskalender 2013, (11) externe HD mit Forschungsdaten, (12) analoge Agenda, (13) Stifte, Pinsel, Kabelbinder, usw., (14) Stromleiste, (15) selbstgedruckte 24StundenComics, (16) selbstgedruckte Exemplare von „Afterglow“, (17) HKB-Stofftasche, (18) Postkarten, (19) selbstgebastelte Light-Box, (20) USB-Kabel der Digitalkamera, (21) Papierkram.


Das erste Comicheft, das du dir selbst gekauft hast, war:

Dragon Ball! Die Asterix und Obelix sowie Mickey Mouse Comics, mit denen ich aufgewachsen bin, haben noch meine Eltern gekauft.

Wenn du dich für eine Woche in eine Comicfigur verwandeln könntest, wer würdest du dann sein?

Da bleibe ich lieber ich selbst, denn: mir gefallen unter Anderem auch tragische Figuren (z.B. Akira) oder auf realen Personen basierende Charaktere (Graphic Novels, Comicreportagen, Autobiographisches).

Woran arbeitest du gerade?

Wie es gelingen kann ist noch offen, doch ich arbeite daran meine zeichnerische Arbeit, meine Unterrichtstätigkeit und Forschungsarbeit irgendwie unter einen Hut zu bringen. Das verbindende Element ist das Zeichnen. Seit Januar 2014 arbeite ich an einem Dissertationsprojekt, in dem ich anhand von videodokumentiertem Zeichnungsunterricht untersuche, wie sich das Gespräch mit der Lehrperson auf die weitere Arbeit der SchülerInnen auswirkt. Ansonsten realisiere ich auftragsbasiert Illustrationen für Lern- und Infofilme der LerNetz AG Bern, mentoriere individuelle gestalterische Projekte von SchülerInnen und unterrichte gelegentlich.

Doppelseite aus dem Comic „Afterglow“ (Zeichnungen: Nadia Bader, Text: Gabriel Andres), Comicseminar Erlangen 2013, Thema „der Ausbruch“. Deutsche Version in Arbeit!

In Sachen Comics steht das Lettern der deutschen Version von „Afterglow“ an. Der Comic ist im Rahmen des letzten Comicseminars in Erlangen zum Thema „der Ausbruch“ in Zusammenarbeit mit Gabriel Andres (Text) entstanden und wird dann auch auf myComics hochgeladen. Mit Gabriel Anders zusammen entstand bereits ein früherer Comic, der jetzt auch bei myComics online ist: "Das Geheimnis der Aare-Sofas".

"Das Geheminis der Aare-Sofas"

Ansonsten zerbreche ich mir den Kopf darüber, was für eine Geschichte ich als Nächstes umsetzen möchte... oder vielleicht doch ein paar Strips?

Was sind Deine aktuellen Favoriten auf myComics?

Die Comics von Matthias Lehmann mag ich sehr, insbesondere „die Reise“. Die Comics „Der Kakonaut“ (Piers Goffart), „Advent“ (Maximilian Hillerzeder) und „Untitled“ (Jo Lott) finde ich ebenfalls stark, sowohl vom visuellen Stil als auch von den Geschichten her. Ansonsten bin ich erst noch dabei mich in die Fülle an Beiträgen einzulesen.

Vielen Dank für das Interview!

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Weitere Links + Interviews:

Nadia Bader bei myComics:
"Out of Office", "make a difference"

Nadia Bader im Web:
Nadia's Website, Nadia's Blog

Weitere Interviews mit myComics-Wettbewerb Gewinnern





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