Donnerstag, 8. August 2013

Interview mit Eva Lamberty: "Die Angst am Küchentisch"




"Neue Mitbewohner sind komisch. Was aber, wenn der neue gar nicht menschlich ist und dich auf Schritt und Tritt verfolgt? Ein Comic über Agoraphobie...."

Mit ihrer 27-seitigen Comicstory "Die Angst am Küchentisch" gab Eva Lamberty ihr Debut bei myComics, und steuerte damit auf der Plattform auch den ersten Comic über Agoraphobie bei: der Angst vor bestimmten Orten, zum Beispiel weiten Plätzen. Der interessante und einfühlsame Stil, mit dem Eva Lamberty das Thema umsetzte, brachten ihr beim Juni-Wettbewerb den 3. Platz ein.

Wie immer wollten wir mehr zu den Gewinner-Comics wissen, und haben Eva zu ihrer eigenen Comic-Geschichte und zu aktuellen Projekten befragt:

Woher kam die Idee zu „Die Angst am Küchentisch“?

Der Comic „Die Angst am Küchentisch“ entstand in einem Graphic Novel Kurs an der FH Düsseldorf. Die Idee dazu hatte ich aber schon sehr lange. Die Geschichte ist sehr persönlich und zeigt in sehr zugespitzter Form Erfahrungen, die ich selbst gemacht habe. Ich behandle meistens Themen, die mich berühren oder die mir selber widerfahren sind.

Printversion meines Comics


In deinem Blog ist ein Video online, „A House“ – ziemlich interessant gemacht mit der Kombination aus Fotos und Zeichnungen, und auch dort geht es um das Thema Heim und sich an einem Ort zuhause fühlen. 
Video "A House"

Was macht dieses Thema so interessant für dich, oder ist diese thematische Parallele zu "Angst am Küchentisch" Zufall? Und ist „A House“ eine Studienarbeit, oder wie entstand das Video? 

Die Parallele zur Thematik ist so eine Mischung aus Zufall und Gewollt. Ich mag das Lied sehr und der Interpret ist einer meiner vielen Inspirationsquellen. Tatsächlich interessiert mich das Thema Heimat sehr. Viele Menschen identifizieren sich ja mit „ihrer“ Stadt, dem örtlichen Fußballverein, oder präferieren das Bier aus der Region und sagen von sich nicht ohne Stolz „ich wohne da und da“, usw. Ich mag derlei Identifikationen nicht und habe mich lange gefragt, ob ich irgendwo und wenn ja, wo ich denn daheim bin. Ist es die Stadt, in der ich lebe und in der ich meine Freunde habe, die Stadt, in der ich aufgewachsen bin oder doch ganz woanders? 

Szene aus "A House"
Zur Zeit bin ich der Ansicht, dass es überall ist. Heimat ist für mich nicht geographisch, kein Land, keine Stadt, sondern der Ort, an dem ich glücklich bin. Heimat hat keine Grenzen. Deshalb kann mitunter auch ich selbst mein Zuhause sein, so wie es in „A House“ beschrieben wird. Dort wandert das Monster auch herum und findet am Ende zu sich selbst. Das hat so gesehen schon starke Parallelen zu „Die Angst am Küchentisch“. Letzen Endes ist es egal, wo du bist, solange du bist. Das klingt schon ein wenig pathetisch irgendwie.


Woran arbeitest du gerade?

Ich habe gerade mehrere Projekte laufen. Da wäre einmal ein Kinderbuch, das das Waldsterben thematisiert. Auch dort wird es Monster und Suchende geben.

kleine Bleistift-Illustration meines Protagonisten des Buchprojektes

Preview einer Illustration desselben Projektes

Dann organisiere ich ein kleines Animationsfestival mit Freunden, das im August in Düsseldorf stattfinden wird (www.zwiebelnanimationsfestival.tumblr.com) und ich werde für einen Stop-Motion Film die Kulissen mit bauen. Darauf freue ich mich schon sehr. 


Wann hast du mit dem Comiczeichnen angefangen, und wie kamst du dazu? 

Eigentlich habe ich mich immer im Bereich Illustration gesehen. Irgendwann dann habe ich festgestellt, dass ich die Geschichten, die ich erzählen will, nicht in ein oder zwei Bilder packen kann. „Die Angst am Küchentisch“ war aber mein längster und aufwendigster Comic bis jetzt. Vorher habe ich mich nur an Kurzgeschichten mit einer oder zwei Seiten gewagt. Momentan probiere ich noch aus, wo meine Stärken liegen.

Evas Arbeitsplatz: "Zu sehen ist eine Illustration aus meinem Buchprojekt mit Skizze im Skizzenbuch rechts, Entwurf links und darüber das aquarellierte Bild plus dem bereits eingescannten und teils bearbeiteten Bild am Rechner."

Das erste Comicheft, das du dir selbst gekauft hast, war: 

Ich kann mich schwer erinnern, aber ich glaube ganz klassisch: Das lustige Taschenbuch.

Was sind Deine aktuellen Favoriten auf myComics? 


Ich mag den Gewinner-Comic gerne. Verdienter erster Platz.

Danke für das Interview!

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Weitere Links + Interviews

Eva Lamberty auf myComics: Able Bodied, Die Angst am Küchentisch

Webseite: evalamberty.tumblr.com

Weitere Interviews mit myComics-Wettbewerb Gewinnern gibt es hier: myComic-Interviews


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